Sonntag, 15. Oktober 2017

Myrina

Kann die Sage von Troja einen wahren Kern haben? Dieser Frage geht die Philologin Diana Morgan nach, die sich auch sehr für die Geschichte der Amazonen interessiert. Eigentlich unterrichtet Diana ein Seminar an einer britischen Universität. Doch einem verlockenden Angebot, eine alte Schrift zu entziffern, kann sie nicht widerstehen. Sie reist nach Nordafrika, um eben diese Aufgabe zu lösen. Bei ihrer Ankunft trifft sie auf Nick Barran, ein auf den ersten Blick zwielichtiger Typ, der sich mehr in Dianas Gedanken schleicht als ihr recht ist. Ihr Jugendfreund James liegt doch viel mehr auf ihrer Linie. Diese Gedanken sind jedoch schnell vergessen, denn tatsächlich ergeben sich Spuren zu den Amazonen, deren Existenz Diana gerne bestätigen möchte.

Troja, Amazonen, die Ilias - könnte wirklich etwas dran sein? Sicher fast jeder kennt die sagenhaften Geschichten, hat mal eine Verfilmung gesehen oder ein Buch gelesen. Eine Fülle von Leben, aus denen sich viele Artikel, Romane, Filme, Stücke zaubern lassen. Es ersteht eine Vorstellung alter Welten, die nie langweilig gewesen zu sein scheinen. 

In ihrem Roman verknüpft die Autorin geschickt Vergangenheit und Gegenwart und nährt so die Idee eines gewissen Wahrheitsgehaltes der alten Sagen und Erzählungen. Beim Lesen bzw. Hören verbinden sich die Erinnerungen an die Geschichte mit den Erläuterungen der Autorin. Gefesselt verfolgt man Parallelen und Unterschiede, Auswirkungen des Lebens in alter und moderner Gesellschaft, deren Unterschiede manchmal nicht so groß sind. Einige Dinge ändern sich halt nie oder es gab sie schon länger als gedacht. Mit diesen Vergleichen im Kopf verfolgt man Dianas Weg durch Antike und Gegenwart, ein Weg, der etwas harmlos beginnt zum Schluss aber immer mehr wie ein Thriller wirkt.


Vergangenheit und Gegenwart sind bei diesem Hörbuch sehr gut verbunden und doch getrennt durch die angenehm betonten Lesungen von Tanja Fornaro und Suszanne von Borsody. Wenn man sich selbst auch eher als Anhänger ungekürzter Lesungen sieht, so wie geboten, bilden ca. 22 Stunden doch eine gewisse Herausforderung.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Die geheimen Schwestern von Anne Fortier
ISBN: 978-3-844-51653-1





Samstag, 14. Oktober 2017

Haute Couture

Eine alte Obdachlose stirbt. Die Baustelle, auf der sie gefunden wird, entpuppt sich als Grabstelle vieler Toter. Wie sich schnell herausstellt, handelt es sich um alte Skelette, vermutlich von Menschen, die vor über 200 Jahren dort hingerichtet wurden. Doch ein Skelett ist deutlich jünger und weist Anzeichen auf, dass die Person gewaltsam zu Tode gekommen ist. Captain Riedwaan Faizal beginnt mit den Ermittlungen. Er zieht seine Freundin, die Profilerin Dr. Clare Hart hinzu, die zunächst herausfinden soll, ob die sterblichen Überreste nach über zwanzig Jahren noch identifiziert werden können. Tatsächlich ergibt sich bald ein Hinweis, der berühmte Griff nach dem Strohhalm.

Es scheint ein Griff ins Wespennest zu sein, denn sowohl Faizals als auch Clares Leben wird bedroht. Ein ehemaliger Kleinkrimineller, der zwar so wirkt als sei er in bessere Kreise aufgestiegen, der aber seine Herkunft nicht verleugnen kann, spricht offene Drohungen aus. Das hält die beiden Ermittler natürlich nicht davon ab, weiter zu machen, eher im Gegenteil. Schon bald gibt es Proteste, weil die Baustelle stillgelegt wurde, und Riedwaan fängt an, nachzubohren, bei großen Bauobjekten ist schließlich viel Geld im Spiel, da liegt der Gedanke an Schmiergeldzahlungen meist nicht fern. Clares Nachforschungen führen zunächst in eine andere Richtung. Das grüne Kleid, von dem Reste an der Toten gefunden wurden, scheint ein Einzelstück gewesen zu sein.

Südafrika nach der Apartheid, werden die Spuren davon jemals verschwinden? Auch in diesem vierten Band um die Profilerin Dr. Clare Hart werden die Nachwirkungen dieser Zeit deutlich geschildert. An der Oberfläche scheint alles eitel Sonnenschein, doch die alten Strukturen bestehen großenteils weiter. Korruption herrscht und besonders durchlässig ist die Gesellschaft nicht. Die Volksgruppen leben eher nebeneinander als miteinander. Politiker, Reiche und andere mit Macht ausgestattete spielen ihre Spielchen um Geld und Macht. Wenn da zum Beispiel ein Obdachloser ins Räderwerk gerät, juckt das eigentlich niemanden. Wenn jemand Teile der Strukturen aufdeckt, ist er eben tot. Es herrscht schon eine große Kälte und die wenigen, die sich dem System entgegenstellen, bringen sich selbst und ihre Familien in Gefahr. 

In einen fesselnden Kriminalroman hat die Autorin ihre Beschreibung der Zustände verpackt. Man fragt sich, ob eine Hoffnung bestehen kann, dass jede weitere Generation den Weg zu einer einheitlichen Gesellschaft ebnen könnte, man befürchtet allerdings, dass die Hoffnung eher als vage anzusehen sein könnte.



4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Galgenberg von Margie Orford
ISBN: 978-3-7645-0465-6




Dienstag, 10. Oktober 2017

Untergang

Mit einer kleinen Flotte von Segelschiffen soll es nach Afrika gehen. Verschiedenste Menschen haben sich im Jahr 1816 auf den Weg gemacht. Sie wollen eine bessere Zukunft, Reichtum, Macht. Besonders Eilige landen auf der Medusa. Dort merken sie schnell, dass eine Schifffahrt nur für die schön ist, die nicht mit dem Zwischendeck vorlieb nehmen müssen. Zwar sind alle zuversichtlich, schnell gestört wird diese Zuversicht aber schon in dem Moment als ein Matrose wegen einer Nichtigkeit ausgepeitscht wird und an dieser Behandlung verstirbt. Abergläubisch wie viele der Seeleute sind, steht für sie fest: Das bringt Unglück.

Und nicht nur das bringt Unglück, auch die Anwesenheit von Frauen, ein unfähiger Kapitän, durchsetzungsschwache Offiziere. Die Fahrt der Medusa, die so ruhig begann, scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Die bereits erwähnte Auspeitschung, die ein erstes Todesopfer fordert, ist da nur ein Vorbote. Grausame Misshandlungen von scheinbar Schwächeren passen ins Bild. Und Fehlleistungen bei der Navigation führen dazu, dass die Medusa auf eine Sandbank gesetzt wird und folglich in Gefahr gerät, auseinander zu brechen und zu sinken. Die vorhandenen Rettungsboote bieten nicht für alle Platz und mit großer Kaltblütigkeit werden fast 150 Menschen auf einem Floß ausgesetzt und zurückgelassen.

Nach einer wahren Begebenheit entwickelt Franzobel seinen Roman, mit dem er dem Leser einen harten Brocken vorwirft. Schon auf dem Schiff üben einige Menschen Grausamkeiten an anderen aus, was nur mit Machtgetue zu erklären ist. Was sich einige den vermeintlich Untergebenen oder Schwächeren gegenüber herausnehmen, ist kaum zu ertragen. Wenn man allerdings meint, es könne keine Steigerungen dieser Misshandlungen geben, wird man eines besseren oder besser schlechteren belehrt. Kaum sind die Rettungsboote davon gefahren, kaum haben die Menschen auf dem Floß verstanden, dass sie schutzlos ausgeliefert sind, geht schnell alles verloren, was man vorher als Zivilisation bezeichnet hätte. Da muss man schon mit dem Ekel kämpfen, man fragt sich, ob man die Geschehnisse weiter ertragen will, ob man wissen will, wie schnell das menschliche im Menschen verloren geht. Schließlich kämpft man sich ein wenig durch den Roman, unschlüssig, ob man dieses Buch, dass doch so viel Nachdenken, Unglauben, Wiederwillen auslöst, nun gut finden muss, eben weil alles so plastisch beschrieben ist, oder ob man sich abwenden möchte und fliehen, weil man die Vorstellung von den Geschehnissen nicht erträgt.


Wahrlich kein schönes Buch, aber man muss auch nicht immer schöne Bücher lesen. Man kann sich auch mal den unschönen Dingen aussetzen und mit dem Wunsch schließen, man möge nie in eine solche Situation kommen und dürfe das Privileg genießen, seine Menschlichkeit zu behalten.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Das Floß der Medusa von Franzobel
ISBN: 978-3-553-05843-9


Sonntag, 8. Oktober 2017

Ich bin Anders

Der RadioDJ Anders Droka moderiert die Nacht, er präsentiert seine Musik, die Musik seiner Zeit. Aber irgendwie ist die Zeit der Moderatoren vorbei. Alles kommt aus dem Computer, Playlists, Stimmen, Hot Rotation, BlaBla. Seine Produzentin Rosa muss ihm mitteilen, dass seine Sendung gestrichen wird. Er soll ins Morgenprogramm und er kann sich dazu noch nicht einmal so äußern, wie er am liebsten möchte. Denn er hat seiner Tochter Liz eine Praktikumsstelle beim Sender beschafft. Um herunterzukommen fährt Droka mit dem Motorrad durch die Nacht, eine Drogenfahrt bei der er einen Mord beobachtet, einen Mord, für den er selbst ein Motiv hätte.

Anders Droka beschließt, er muss selbst herausfinden, was in der Nacht geschah. Er will sein Leben retten, das seiner Tochter und Rosas schützen und außerdem will er seine Sendung wiederhaben. Nicht vorher zu ahnen ist, in welch eine Geschichte er da hineingeraten ist. Eine erste Spur führt den DJ zu einer begnadeten Musikerin, der er selbst zu wenig Beachtung geschenkt hat. Was hatte die junge Frau mit dem Mordopfer zu schaffen? So eine sympathische junge Frau kann schließlich nichts mit einem Mord zu tun haben, oder? 

Atemlos durch die Nacht fährt der Disc Jockey Anders Droka durch die Straßen Zürichs. In einer Zeit, in der die Medien von wenigen rechtsgerichteten Moguls aufgekauft und gleichgeschaltet werden, gibt es nur noch wenige Inseln der aufrechten neutralen Presse. Zu dieser hat sich auch Droka zugehörig gefühlt. Doch nun scheint auch noch die letzte Bastion zu fallen. Mit einigem Unbehagen liest man von diesen Entwicklungen. Mit immer größerem Unbehagen registriert man zunächst in kleinen Einzelheiten, welcher Art hier die Zusammenhänge sein könnten. Welches perfide Gehirn denkt sich nur solche Verbrechen aus? Wie groß muss die Gier sein? Mit welcher Rücksichtslosigkeit werden die behandelt, die eher zufällig hinter die Machenschaften kommen. Um ihrer System zu erhalten, schrecken die Täter vor nichts zurück. 


Geschickt steigert der Autor die Spannung, nach und nach führen die ausgelegten Fährten zur Beute, zur Lösung. Doch fröhlich davon schreitet man nach getaner Fährtensuche nicht, einige Aspekte der Geschehnisse haben einen starken Nachhall.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Helvetia 2.0 von Urs Augstburger
ISBN: 978-3-608-50344-9


Samstag, 7. Oktober 2017

Tender

Harry Hole ist inzwischen Dozent an der Polizeihochschule, mit Rakel ist er so glücklich wie ein Harry Hole nur sein kein. Sein Stiefsohn Oleg ist als Student an eben jener Polizeihochschule. Alles könnte schön sein, würde nicht ein Serienmörder beginnen, sein Unwesen zu treiben. Zwar ist Katrine Bratt eine gute Nachfolgerin für Harrys Position im aktiven Dienst, doch dieser perfide Täter, der seine weiblichen Opfer auf brutale und blutrünstige Weise umbringt, scheint ihre Kräfte zu überfordern. Polizeichef Bellman, der seine eigenen Ziele immer genau im Blick behält, überzeugt Harry mit seinem Wissen über Oleg, doch in die Ermittlungen einzusteigen.

Harry Hole ermittelt wieder. Bereits zum elften Mal macht er sich auf die Suche nach einem äußerst perfiden Killer. Das Umfeld ist schwierig, da Harry mit einem kleinen Team außerhalb der eigentlichen Ermittlungen weitere Nachforschungen anstellt. Er grübelt und kann doch, obwohl er lieber bei Rakel wäre, nicht von dem Fall lassen, der ihm ein ausgesprochen schlechtes Gefühl bereitet. Eine Erinnerung scheint geweckt, die jedoch nicht so richtig greifbar ist. 

Verabredungen per Tinder App, ein modernes Mittel des Datens. Ein schnelles Treffen, ein schnelles gegenseitiges Abschätzen, schneller Sex und wie einige Opfer feststellen müssen auch große Gefahr. Etwas fremd mutet diese Art des Kennenlernens an. Warum verabreden Menschen sich so? Wie schnell schließlich kann Vertrauen auf gleiche Absichten missbraucht werden. In diesem neuen Fall begegnet Harry einer fremden Welt und doch einem bekannten Muster. Ausgesprochen hinterlistig und planvoll geht der Mörder vor und hinterlässt seine Opfer in einem Zustand, der an die Nieren geht. Sogar beim Lesen schleichen sich Bilder in den Kopf, die man schnellstens wieder dort entfernen möchte. Ein solcher Täter muss einfach gefasst werden. Und so bringt man schon Verständnis dafür auf, dass Harry in die Ermittlungen einsteigt, obwohl man denkt, das kann ihm gar nicht gut tun. Die progressive Art seiner Nachforschungen begeistert zum einen, bringt allerdings auch Beteiligte in Gefahr, was man nicht immer gutheißen möchte. Man hofft, der Erfolg möge im Recht geben und überlegt doch, ob das so statthaft sein kann. Und gerade wenn man meint, alles löse sich in Wohlgefallen auf, spürt man den Eiseshauch einer weiteren Wahrheit, die es unter großer Gefahr zu entdecken gilt. Nur weniges bleibt ungeklärt oder unbeachtet und schließlich deutet sich an, dass Harry auch künftig die Arbeit nicht ausgehen wird.


Ein Psycho-Thriller, der einem einen Schauer nach dem anderen über den Rücken jagt, den man einmal begonnen nicht mehr aus der Hand legen kann.

4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)

Durst von Jo Nesbø
ISBN: 978-3-8437-1482-2


Dienstag, 3. Oktober 2017

Fallanalytiker

Wegen seiner Hypersensibilität ist es für Kommissar Adam Danowski immer schwieriger geworden im täglichen Polizeidienst. Neben regelmäßigen Untersuchungen, die er verordnet bekommen hat, durfte er eine Stelle als Fallanalytiker annehmen - seine letzte Chance. In dem ersten Fall, den er alleine betreuen soll, steht er den Kollegen in Friederikenburg bei. Dort hat man eine weibliche Leiche gefunden, die merkwürdig abgelegt wurde. In dem kleinen Ort kennt jeder jeden, so dass ein Blick von außen hilfreich sein kann. Danowski ist sehr froh, dass er nicht mehr mit den direkten Ermittlungen betraut ist. Schnell muss er allerdings feststellen, dass er mit seinen lauen Ratschlägen, die dem Protokoll entsprechen, aber auch nicht mehr, sein Ansehen bei den Kollegen kaum verbessern kann.

Endlich fühlt sich Adam Danowski mal halbwegs wohl. Mit seiner neuen Tätigkeit scheint er endlich das Richtige gefunden zu haben. Die eher theoretische Arbeit liegt ihm, so meint er. Auch dass er häufiger mal für ein, zwei Wochen auf Dienstreise ist, kommt ihm zupass. Aber sollte er nicht doch mehr auf andere zugehen oder sich besser um seine Familie kümmern. Auch Finzi und Meta hat er in letzter Zeit ziemlich links liegen lassen. Wenn es ihm also so vorkommt, als sei sein Seelenkostüm in recht gutem Zustand, hat er vielleicht durchaus Grund, seine Annahme nochmals zu überdenken.

Der liebenswert schräge Kommissar Adam Danowski hat mal wieder eine letzte Chance. Und wie nicht anders zu erwarten, entwickelt sich seine Fallanalyse anders und weitaus weniger ruhig als der Kommissar es sich wünschen würde. Und damit wird es für den Leser weitaus spannender als  es bei der Ausgangslage zu erwarten gewesen wäre. Zwar vermisst man die Zusammenarbeit mit Finzi und Meta, doch auch auf sich allein gestellt, stolpert Danowski in einen Fall, der komplizierter ist als man nach Auffinden der Leiche annehmen konnte. Eine Kleinstadt hat es manchmal schon in sich, die Einheimischen, die Zugezogenen, die Ermittler, denen ihre Ortskenntnis zwar hilft. Aber für die ihr Beziehungsgeflecht zu den Verwandten, Nachbarn und Freunden aber die Gefahr der Befangenheit erstehen lässt. Zudem ist mit Adam Danowski auch ein Großstädter auf dem Land, wodurch er einen frischen Blick auf die Dinge hat, ihn jedoch mitunter unsicher werden lässt.


Ein lesenswerter Kriminalroman, der etwas anders ist als die Vorgänger der Reihe, aber nichtsdestotrotz fesselnd.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Fallwind von Till Raether
ISBN: 978-3-499-27200-4


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Montag, 2. Oktober 2017

Wie ein Krimi

Der Papst ist tot. Er erlag einem Herzinfarkt, sehr plötzlich kam es. Der Dekan ist entsetzt und betrübt. Einige Wochen vergehen, die Bestattung, die Zeit der Anreise der Kardinäle. Es naht das Konklave, ein neuer Papst muss gewählt werden. Wird es eine schnelle Abstimmung sein? Oder wird sich die Entscheidung hinziehen. Nach dem ersten Wahlgang gibt es noch keinen Favoriten, doch bald zeichnet sich ab, wer gute Chancen hat, zum Kirchenoberhaupt gewählt zu werden. Doch der Dekan findet heraus, dass der sich abzeichnende Kandidat nicht immer so kirchentreu war wie es sich geziemt. 

Liest man den Klappentext dieses Buches, kann man sich nicht vorstellen, wie aus dieser Thematik ein Thriller entstehen soll. Die Kirchenmänner sollen doch allem Weltlichen entrückt sein und sich an die zehn Gebote halten. Wahrscheinlich tun sie das auch, grundsätzlich jedenfalls. Zumindest aber ist man zuversichtlich, dass Robert Harris einen guten Roman abliefern wird, schließlich ist er als Schreiber intelligenter und spannender Bücher bekannt. Und tatsächlich schafft es Robert Harris aus einer Papstwahl ein packendes Intrigenspiel mit ungewissem Ausgang zu machen. Je weiter man liest, desto mehr Untiefen tun sich zwischen den Akteuren auf. Wer kann wem trauen und wem gegenüber sollte man besser misstrauisch sein? Die 118 Teilnehmer des Konklave, alle Kardinäle unter achtzig, versuchen aus ihrer Mitte, den Besten heraus zu picken. Dabei werden zunächst ein paar Nieten gezogen, denen man allerdings in keiner Weise zugetraut hätte, dass sie überhaupt ein Wässerchen trüben könnten. Die Teilnehmer werden immer unsicherer, wer die Aufgabe überhaupt erfüllen könnte. Wer kann die Last, die Bürde des Amtes tragen? Welche Ränke sich entspinnen ist schon genial. Gefesselt klebt man an den Seiten. Mit Erstaunen liest man von den unbekannten Abläufen und dankt dem Autor für seine akribische Recherche, die einen ungeahnten Einblick in die Vorgänge hinter verschlossenen Türen zulässt.

Ein interessantes Thema, von dem man nie angenommen hätte, das es sich zu einem so packenden Thriller verarbeiten lässt.


5 Sterne (🐳🐳🐳🐳🐳)

Conclave von Robert Harris
ISBN: 978-0-09-195916-6



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